Fach- und Hausarbeit: Recherche und Informationsquellen

Informationen sind die Basis für neues Wissen. Ohne diese Informationen sind Forscher nicht in der Lage erfolgreich zu forschen. Auch Sie sind bei Ihren Haus- und Facharbeiten auf Informationen angewiesen. Aber wie kommt man an diese Informationen heran?

Wissenschaftliche Publikationen

Für einen Wissenschaftler ist es notwendig zu publizieren um sich einen Ruf zu erwerben. Dies ist wichtig für die Suche nach einer Stelle und wenn man eine feste Stelle hat, dann ist es notwendig Drittmittel für die Forschung einzuwerben. Oft werden auch Forschungsmittel an eine bestimmte Anzahl von Publikationen gebunden.

Erste Wahl bei der Veröffentlichung sind wissenschaftliche Zeitschriften (Journale). Hier kann jeder einen Artikel (Aufsatz) einreichen, wenn er bereit ist für die Veröffentlichung zu zahlen. Um die Qualität der Zeitschrift zu gewährleisten, werden die Artikel einem Peer-Review-Verfahren unterzogen. Dabei prüfen andere Wissenschaftler die Qualität und Richtigkeit des Artikels. Diese Journale können wie normale Zeitschriften bezogen werden. Es ist möglich einzelne Ausgaben zu beziehen, eine Jahres-Abonement abzuschließen oder auch einzelne Artikel zu beziehen. Allerdings sind solche Zeitschriften auch nicht billig. Z.B. kostet 2016 der Zugriff auf ein Jahr “The European Physical Journal E”’ aus dem Springer Verlag als elektronisches Dokument 149€. Einzelne Artikel aus wissenschaftlichen Zeitschriften können zwischen 20 und 40 Dollar kosten. Dies sind natürlich enorme Kosten für den Zugang zu Informationen für einzelnen Personen. An Universitäten halten daher die Bibliotheken eine große Sammlung von wissenschaftlichen Zeitschriften vor. Als Mitarbeiter und Student kann man dann kostenlos die Zeitschriften einsehen und meistens auch für den eigenen Gebrauch kopieren. Auch als Schüler kann man oft die Universitätsbibliotheken benutzen und sogar einen Ausweis bekommen.

Artikel können nicht nur in Zeitschriften veröffentlicht werden. Zu großen Konferenzen ist es üblich einen Sammmelband mit Artikel zu den Vorträgen herauszubringen. Diese Art der Veröffentlichung hat für den Autoren den Vorteil, dass er nicht dafür zahlen muss. Diese Sammmelbände sind dann als normale Bücher über den Buchhandel oder als e-Paper erhältlich. Auch diese Artikel werden oft einem Peer-Review-Verfahren unterzogen, der als Qualitätskontrolle fungiert.

Monographien sind Bücher, die sich mit einem speziellen wissenschaftlichen Thema auseinandersetzen und sich gezielt einer Fragestellung widmen. Die Anzahl der Autoren ist dabei nicht begrenzt, wobei die Autoren möglichst am gesamten Werk beteiligt waren. Waren Sie gezielt nur für Kapitel zuständig, dann redet man eher von einem Sammelband. Im Prinzip kann man die Monographie als wissenschaftlichen Aufsatz im Buchformat bezeichnen. Ist das Themengebiet sehr weit gefasst, dann redet man eher von einem Handbuch. Der Übergang zum Lehrbuch ist fließend. Von einem Lehrbuch redet man in der Regel, wenn sich das Werk an Studenten richtet, von einer Monographie, wenn die Zielgruppe andere Wissenschaftler sind.

Wenn Sie keinen Zugang zu einer Universitätsbibliothek haben, dann können manche Bücher oder Artikel auch über die Fernleihe der örtlichen Bücherei bzw. Bibliothek bezogen werden. Über die Arbeitsweise der Fernleihe erkundigen Sie sich bitte vor Ort in Ihrer Bücherei bzw. Bibliothek.

Eine weitere kostenpflichte Möglichkeit sich fehlende Literatur zu beschaffen sind Dokumentenlieferdienste. Die bekanntesten deutschen Dokumentenlieferdienste sind:

Open Access

Beschränkt wird der Zugang durch die Art und Weise wie heute Wissenschaftler ihre Fortschritte veröffentlichen. Klassisch erfolgt dies durch wissenschaftliche Zeitschriften und Journale. Heute müssen die Autoren für eine Veröffentlichung vierstellige Beträge bezahlen. Der Zugang zu den Artikeln ist dann aber nicht frei, sondern pro Artikel sind dann schon mal 30 Dollar oder mehr zu zahlen. Für einen Jahrgang einer renommierten Zeitschrift müssen Bibliotheken schon fünfstellige Beträge bezahlen. Als Initiative für freien Zugang zu wissenschaftlichen Materialien hat sich in den letzten Jahren der sogenannte Open Access entwickelt. Open Access bezeichnet den freien Zugang zu Daten und Veröffentlichungen. Die Weitergabe dieser Informationen erfolgt in der Regel elektronisch.

Im Prinzip könnten die Forscher ihre Ergebnisse auch einfach auf Ihrer Homepage veröffentlichen. Da hier aber keine Qualitätskontrolle erfolgt, werden die Aufsätze nicht als Veröffentlichungen von der wissenschaftlichen Welt anerkannt. Daher haben sich auch im Bereich Open Access sich wissenschaftliche Zeitschriften etabliert. Auch hier zahlt der Autor für die Veröffentlichung seines Aufsatzes Geld an den Herausgeber des Journals. Dieser läßt den Artikel aufbereiten, einem Peer-Review-Verfahren unterziehen und stellt ihn dann auf seiner Journal-Homepage zum Herunterladen bereit. Dabei bekommt der Artikel oft auch eine eindeutige Dokumentenidentifizierungsnummer und wird in zentrale Datenbanken eingepflegt.

Open Access beschränkt sich nicht nur auf Aufsätze. Es gibt sogar Bücher, die frei verfügbar sind. Auch manche Messdaten sind frei verfügbar. So bietet z.B. die NASA eine Auswahl ihrer von Satelliten gewonnen Daten im Internet zum freien Herunterladen an.

In manchen Fachbereichen ist es üblich vor der Veröffentlichung des Artikels in einer Zeitschrift den Artikel als sogenannten Preprint anderen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Oft haben die Autoren die Preprints auch auf ihre Webseite oder die Webseite des Instituts oder der Universität elektronisch kostenlos zur Verfügung gestellt. So sammelt das Projekt arXiv Preprints aus dem Bereich Physik und stellt sie elektronisch frei zur Verfügung.

Zentrale Verzeichnisse

Seiten wie Open-Access.net und Open Access Directory beschäftigen sich generell mit dem Themen Open Access. Sie bieten einen Einstieg in die Thematik und auch Links zu OA-Quellen. Daneben gibt es Suchmaschinen für Artikel, Bücher und Repositorien (Quelle).

Open Access (OA) ( http://open-access.net ) OA ist eine deutschsprache Seite, die sich mit dem Thema Open-Acces beschäftigt. So kann man speziell über die Entwicklung von Open Access in verschiedenen Fächern informieren.

Open Access Directory (OAD) (http://oad.simmons.edu) Das OAD ist ein Wiki, dass sich mit der Thematik Open Access beschäftigt. Ein guter Startplatz um sich mit der Materie zu beschäftigen.

Directory of Open Access Journals (DOAJ) (https://doaj.org/) Das DOAJ ist das zentrale Verzeichnis von über 9000 Journalen. Davon sind über 6000 auf Artikelebene durchsuchbar. Insgesamt stehen über 2~Millionen Artikel zur Verfügung. Aber aufgepasst: Nicht alle hier geführten Artikel sind auch frei zugänglich. Vermutlich waren die Artikel früher frei zugänglich und wurden später kostenpflichtig.

Directory of Open Access Books (DOAB) (http://doabooks.org/) Das DOAB ermöglicht die Suche nach über 5000 frei zugänglichen akademischen Büchern, die einem Peer-Review unterzogen worden.

The Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) (http://opendoar.org) Das OpenDoar ist ein Verzeichnis der frei zugänglichen akademischen Repositorien (engl. repositorie: Quelle, Lager, Magazin, Fundgrube). Hier kann man z.B. nach Universitäten suchen, die Artikel zur Verfügung stellen oder nach anderen wissenschaftlichen Einrichtungen mit frei zugänglichen Veröffentlichungen.

Akademische Quellen

Neben OA-Journalen bieten auch viele akademische Institutionen Aufsätze und Arbeiten wie Dissertationen und Habilitationen auf eigenen Dokumentenservern an. Manche bieten auch den direkten Zugriff auf wissenschaftliche Rohdaten.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (AdW) ( http://adw-goe.de/ ) Die Digitale Bibliothek der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen knüpft an die seit 1739 erscheinenden „Göttingische Zeitungen von Gelehrten Sachen“ an. So kann man hier zum Beispiel die Texte von Vorträgen erhalten. Als Beispiel sei genannt der Vortrag von Bert Hülldobler: \textsl{Der Superorganismus der Blattschneiderameisen**.

arXiv ( https://arxiv.org/ ) Schon seit 1991 gibt es das elektronische Repositorium arXiv, das Preprints von Artikeln aus dem Bereich der Physik zur Verfügung stellt.

Multimedialer Archiv- und Publikationsserver der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (MACAU) ( http://macau.uni-kiel.de/ ) Die Seite bietet den Zugriff auf die elektronischen Publikationen von Dissertationen, Habilitationsschriften, Kongressbeiträgen, Zeitschriftenaufsätze, Working Papers etc., die von Angehörigen der CAU Kiel verfasst oder mitverfasst worden sind.

NASA-Funded Research Results ( https://www.nasa.gov/open/researchaccess ) Die NASA stellt Artikel und Daten, die von ihr finanziert worden sind, kostenlos zur Verfügung. Zu finden sind diese im sogenannten PubSpace.

National Center for Biotechnology Informationen ( https://www.ncbi.nlm.nih.gov/ ) Das NCBI bietet den Zugriff auf biomedizinische und genomische Informationen.

Verlage

Sogar manche Verlage bieten einzelne Artikel als Open Access an oder haben sogar ganze OA-Journale herausgebracht.

Elsevier ( http://www.sciencedirect.com/ ) Der Verlag Elsevier gehört zu den größten Anbietern von akademischen Zeitschriften, der als nicht ganz billig ist. Über ScienceDirect kann man nach Artikeln suchen. Auch hier kann man OA-Artikel finden. Mann muss nur in den Suchergebnissen den Filter auf Open-Access-Artikel stellen.

SpringerOpen ( http://www.springeropen.com/ ) Auch der renomierte Springer-Verlag (nicht der mit der Bildzeitung und dem Stern) hat seit 2010 auf das Pferd Open-Access gesetzt und bietet OA-Journale an.